Beweidungsprojekt

Die Ortsgemeinde Frankenstein engagiert sich mit mehreren Beweidungsstandorten für die Steigerung der Biodiversität im Pfälzerwald. Derzeit sind es drei Standorte im Dorf, an denen unterschiedliche Tierarten gehalten werden. Zwei dieser Projekte werden von der Ortsgemeinde selbst getragen, in Diemerstein ist zudem auf dem Gelände der TU Kaiserslautern die Beweidungszunft tätig. Mit der extensiven Beweidung von Offenland- und Waldbiotopen wird die Artenvielfalt merklich gesteigert. Auch wird das Landschaftsbild durch die Beweidung attraktiver gestaltet; so tragen gerade die Ziegen an der Frankensteiner Burg dazu bei, den Blick auf die Ruine frei zu halten.

Für genauere Informationen zu den jeweiligen Projekten finden sich unter dem jeweiligen Standort weitere Details.

 

»Beweidung Frankenstein Nord«

Auf 25 ha sollen durch Auerrindbeweidung sich lichtere Wälder und Wald-Offenland-Biotopenkomplexe entwickeln. Damit verbunden ist auch das Schaffen attraktiver Landschaftsbilder und die Förderung eines nachhaltigen Tourismus. Für das Projekt galt es zunächst, die benötigte Fläche von den Landesforsten zu pachten. Anschließend wurde in einer »Biotoperstpfelge« für eine Auflichtung und Entfichtung gesorgt. Zu den nächsten Schritten zählten Stall- und Zaunbau.

Die »Beweidung Frankenstein Nord« zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Dieses Projekt wurde erst durch die Mitwirkung der Anwohner*innen möglich. Für die Realisierung des Projekts haben sich nämlich Anwohner*innen bereit erklärt, Teile ihrer Grundstücke für die Beweidung zu öffnen. Mittlerweile lebt in diesem Areal ein Zuchtgruppe aus vier Auerrindern (drei Kühe und ein Bulle). Mit Darwin hat sich Anfang 2020 auch der erste Nachwuchs eingestellt; Ende 2020 folgte ein weiteres männliches Kalb. Es handelt sich bei den grasenden Rindern um eine ganz außergewöhnliche Art: Sie sind eine Rückzüchtung, der junge Darwin kommt dem Auerochsen schon sehr nah. Darum hier auch die unbedingte Bitte, die Tiere nicht zu füttern; es kann sowohl für die Tiere als auch für Menschen gefährlich werden. Auch wenn die Fütterung in bester Absicht erfolgt, vertragen die Rinder die unkontrolliert gefütterte Nahrung dennoch nicht, die gesundheitlichen Folgen können schwerwiegend sein. Zudem verlieren die so gefütterten Rinder ihre Scheu vor dem Menschen. Wird das Areal dann von Menschen durchwandert, kann es zu Konflikten kommen, wenn die Tiere sich Futter von den menschlichen Besucher*innen erhoffen. Die etwas hager wirkende Gestalt der Rinder mag zwar anders sein als die Gestalt der Rinder, die wir beispielsweise von Milchkühen gewohnt sind, deshalb sind die Auerrinder aber nicht ausgehungert. Auerrinder bleiben in ihrer optischen Erscheinung hager; unterernährt sind sie nicht. Sie dienen auch weder der Fleischzucht noch sollen sie, abgesehen vom eigenen Nachwuchs, Milch spenden. Das Ziel, welches mit diesen Rindern verfolgt wird, ist eine möglichst naturnahe Beweidung mit ursprünglichen Rindern, die vor Jahrhunderten ausgestorben sind. Um die Rinder wird sich liebevoll gekümmert, sie werden gut versorgt und können sich innerhalb ihres großflächigen Geheges frei bewegen. Interessierte können sich mit ihren Fragen zur Fütterung und Versorgung der Rinder auch an den Halter, Herrn Maximilian Runge, wenden (Telefon: 0160/91937880).

 

Projektleiter an diesem Standort ist die Ortsgemeinde Frankenstein; die Gesamtkosten beliefen sich auf 95 000 Euro, die vom Umweltministerium RLP und von der Ortsgemeinde Frankenstein getragen wurden. Als Partner des Projekts sind das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, die Landesforsten RLP, die Landkreise Kaiserslautern und Bad Dürkheim sowie die DLR Westpfalz zu nennen.

 

Die Projektanschrift:
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten
Freilichtlabor Lauresham / Auerrindprojekt / Claus Kropp
Nibelungenstraße 32
64653 Lorsch
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Auch auf Facebook (Aurochs Back Breeding Project Lauresham), Twitter (auerrind) und Instagram (auerrind) ist das Projekt zu finden, an dem sich neben der Ortsgemeinde Frankenstein noch weitere Projektpartner beteiligen.

 

Aktuelle Information zur Beweidung Nord im Mai 2021

Das kalte und wiederholt niederschlagsarme Frühjahr lässt es derzeit nicht zu, dass die Rinder auf der gesamten Beweidungsfläche nach Nahrung suchen. Wir haben das Areal deshalb begrenzt um den natürlichen Aufwuchs, von der Dreispitz bis zum Sommerberg, erst einmal sicherzustellen. Die Rinder werden vom Beweider solange mit Heu, Apfeltrester und Kraftnahrung zugefüttert. Der Klimawandel mit seinen extrem trockene Frühjahren hinterlässt sichtbare Spuren. Wenn dann noch Kälte dazukommt, wächst fast kein Gras auf der Fläche. Wir alle hoffen alsbald auf ergiebigen Regen und auf nicht zu trockene Sommermonate. Dies würde auch unseren Wälder sehr zu Gute kommen.

 

Auerrinder in der Nähe des Futterstandes

»Beweidung Diemerstein«

Während die Urrinder der »Beweidung Frankenstein Nord« nur teilweise in Diemerstein zu bewundern sind, halten sich auf der gegenüberliegenden Seite einige Ziegen und Gänse mit ihren beiden Eseln Max und Moritz dauerhaft auf. Das von ihnen beweidete Gelände gehört der Technischen Universität Kaiserslautern. Einst standen hier die abrissreifen und ungenutzten Kinderheime, die in Zusammenarbeit mit der TU Kaiserslautern von der Ortsgemeinde rückgebaut werden konnten, um das Gelände zu renaturieren und der TU die Möglichkeit eigener Projekte, beispielsweise dem mittlerweile abgeschlossenen Bau des Holzpavillons, zu geben. Die sehr robusten Ziegen sorgen seither dafür, dass der Wald sich das Gelände nicht gänzlich einverleibt, sondern Platz für weitere Arten bleibt, die sich an Waldrändern und lichten Waldlandschaften wohl fühlen.

Federführend an diesem Beweidungsstandort ist die GbR »Beweidungszunft Frankenstein«, die sich auch um die tiergerechte Gestaltung des Geländes kümmert. Nachdem vor einigen Jahren mehr und mehr klar wurde, dass die Rückkehr des Wolfes in den Pfälzerwald keine Frage nach einem Ob mehr ist, sondern lediglich noch eine Frage nach einem Wann, hat sich die »Beweidungszunft Frankenstein« entschlossen, die beiden damals einjährigen Hausesel Max und Moritz zu engagieren, um die Ziegen zu schützen. Esel nämlich sind keine Fluchttiere und durchaus wehrhaft. Den grauen Tieren gelingt es so, Wölfe, die es gewohnt sind, ihre Beute zu hetzen, in die Flucht zu schlagen. Da sich, anders als in Regionen mit großen Beutetieren wie Elchen etc., in Deutschland eher kleinere Wolfsrudel bilden werden, sind Max und Moritz ihrer eventuellen Aufgabe durchaus gewachsen. Bis jedoch wirklich ein Wolf den Ziegen zu nah kommt, können sie ihre Zeit mit ihren kleineren Kumpanen auf rund 10 ha Fläche genießen. Für die beiden Esel gibt es überdies begleitete Waldausflüge, die den Brüdern einerseits Freude bereiten, andererseits zeigen sie natürlich auch, wofür Esel berühmt sind: Ihren eigenen Willen. Wenn Max und Moritz sich entschieden haben, eine Weile zu pausieren, dann haben sie das entschieden. Alles in allem sind sie jedoch sehr friedliche und zugängliche Esel, die sich auch ihren Bezugspersonen zuwenden. Genau dieses Vertrauen in Menschen ist jedoch auch mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten: Weder die Ziegen noch Max und Moritz sollten unkontrolliert gefüttert werden. Natürlich meinen Spaziergänger*innen, die den Tieren etwas zum Naschen bringen wollen, es nur gut. Doch dieser gute Wille kann den Tieren erheblichen Schaden zufügen. Die Verdauung beider Tierarten kann große Mengen Brot oder zu viel Kraftfutter nicht bewältigen; die Folge sind kranke und im schlimmsten Falle tote Tiere. Darum auch hier die eindringliche Bitte: Füttern Sie die Tiere nicht! Wer sich für die Fütterung der Tiere interessiert, darf sich gerne bei den Verantwortlichen informieren. Primär fressen die Tiere den Bewuchs auf dem Gelände, so bleiben sie in Bewegung und ernähren sich gesund und artgerecht. Zusätzlich erhalten sie angepasst an den Bedarf spezielles Kraftfutter. Für die Esel gibt es beim Training auch die eine oder andere Leckerei, doch auch hierbei wird auf eine gesunde und artgerechte Fütterung geachtet.

 

Da sich auf dem Gelände der Ziegen und Esel in Diemerstein auch der ehemalige Eisweiher befindet, hat sich die »Beweidungszunft Frankenstein« dazu entschlossen, auch Gänse anzusiedeln. Mittlerweile leben dort Hausgänse mehrerer Rassen, die gemeinsam brüten. Schwierigkeiten mit den größeren Säugetieren auf ihrem Areal haben die Gänse anscheinend nicht: Sie können sich sowohl gegenüber den Ziegen als auch den beiden Eseln gut behaupten und arrangieren sich auch mit den ab und an im Weiher landenden wilden Enten.

Die »Beweidungszunft Frankenstein« informiert selbst über die Tiere auf dem Gelände via Facebook. Hier können Sie unkompliziert einen Einblick in die aktuellen Ereignisse werfen; auch wird dort über den Zaunrand gelinst – die Geburt von Darwin von nebenan hat auch die »Beweidungszunft Frankenstein« auf ihrer Facebook-Seite mit Bildern vom jungen auerochsenähnlichen Urrind begleitet.

 

»Beweidung Frankensteiner Burg«

Last but not least: Die Ziegen an der Frankensteiner Burg! Es handelt sich hierbei um das bereits 2009 umgesetzte Beweidungsprojekt in Frankenstein. Ziel in diesem Projekt ist es auch, den Blick auf die Frankensteiner Burg freizuhalten. Wie im Diemersteiner Tal sind es Burenziegen, die den Wald in einem Areal von 4,66 ha Größe im Zaum halten. Für diesen Beweidungsstandort zeigt sich erneut die Ortsgemeinde Frankenstein unter der fachlichen Begleitung des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen verantwortlich. Die Tiere selbst werden von Herrn Stefan Grimm betreut und versorgt, die Ortsgemeinde Frankenstein hat das zu beweidende Gelände zur Verfügung gestellt. Dank der dort lebenden Ziegen ist es gelungen, das Areal an der Burg dauerhaft von hohem Bewuchs freizuhalten und so nachhaltig einen erweiterten Lebensraum im Biosphärenreservat Pfälzerwald zu schaffen.

 

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